Solaranlagen - Gefahr bei Brand


Fast 600.000 Solaranlagen gibt es inzwischen in Deutschland. Doch was tun, wenn es brennt? Die Feuerwehr kann Häuser mit Photovoltaikanlagen wegen drohender Stromschläge nicht immer löschen.

Auf dem Dach liefert eine Fotovoltaikanlage jahrzehntelang Strom. Viele Feuerwehren sehen diese Anlagen jedoch in einem ganz anderen Licht. Weil sich Fotovoltaikanlagen, die bis zu 1.000 Volt Gleichstrom erzeugen können, bei einem Einsatz oft nicht komplett ausschalten lassen, kann den Feuerwehrleuten bei Löscharbeiten ein elektrischer Schlag drohen. Die Brandbekämpfer halten Abstand zu den spannungsführenden Gebäudeteilen und sind daher bei den Löscharbeiten eingeschränkt.

Anfang des Jahres in Schwerinsdorf, Ostfriesland: Die Feuerwehr ist schnell da, aber richtig löschen kann sie wegen der Größe des Brandes und der Fotovoltaikanlage nicht. Die Einsatzleitung beschließt den Abbruch der Innenbrandbekämpfung mit der Folge, dass das Haus abbrennt. Schaden: rund 600.000 Euro. Sirke Siebens von der örtlichen Feuerwehr erklärt hierzu: „Die Fotovoltaikanlage konnte nicht stromlos geschaltet werden. Das ist das Problem bei Fotovoltaikanlagen. Also kann man nur abwarten, bis sie letzten Endes kaputt sind durch das Feuer, und dann anfangen zu löschen.“

Dass die Angst vor Stromschlägen durch Fotovoltaikanlagen begründet ist, musste auch der Rösrather Feuerwehrmann Dominic Furchtner bei einem Brandeinsatz Anfang 2009 erfahren. Das Haus stand schon in Flammen. Sofort kappte die Einsatzleitung die Stromzufuhr von außen. Dann ging Dominic Furchtner in den Keller zur Brandbekämpfung. Aber das Haus stand weiter unter Strom - durch die Solaranlage auf dem Dach. Furchtner bekam einen Schlag. Er erinnert sich: „Wir reden hier über 400 Volt, die durch den Körper geflossen sind, vom Fuß bis zum Herzen. Davongetragen habe ich eine Muskelverbrennung in der Wade am rechten Bein. Die Oberschenkelmuskulatur war verbrannt, die Herzmuskulatur war angebrannt, Herzkreislaufprobleme habe ich gehabt und Bewegungsschwierigkeiten. Ich konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen, und mein rechter Fuß stand nach außen. Ich habe echt Glück gehabt, dass ich da noch lebend rausgekommen bin.“


Abschalten schwer möglich
In Feuerwehrkreisen ist die Diskussion über die mögliche Gefährlichkeit der Solaranlagen bei Bränden in vollem Gang. Wenn Isolationen im Brandfall beschädigt werden und die Anlagen weiter Strom liefern, ist die Gefahr eines elektrischen Schlages groß. markt hat im Institut der Feuerwehr in Münster einen Löscheinsatz an einem Haus mit Solardach durchspielen lassen. Die bisher ausprobierten Methoden, die Stromproduktion der Fotovoltaikanlage zum Beispiel durch Planen oder Löschschaum zu unterbinden, erwiesen sich als wenig erfolgversprechend. Interessant ist, dass die Anlage durch das Feuer die Spannung noch einmal deutlich erhöht.

Carsten Tappert vom Institut der Feuerwehr sieht neben der Spannung im Haus ein weiteres Problem bei den Löscharbeiten: „Die Solarplatten liegen auf einem Aluminiumständerwerk, das nur eine Temperatur von rund 300 Grad aushält. Beim Hausbrand herrschen deutlich höhere Temperaturen. Dann kommen die runter.“ Daher können die Feuerwehrleute sich nicht uneingeschränkt dem Haus nähern. Carsten Tappert meint: „Wenn es nur um Sachwerteschutz geht, werden wir das Leben der Kollegen nicht in Gefahr bringen.“


Solarwirtschaft: Normal löschen
So etwas hören die rund 350 Hersteller von Fotovoltaikanlagen natürlich gar nicht gerne. Über 19 Milliarden Euro hat die Branche im vergangenen Jahr umgesetzt. Der Bundesverband der Solarwirtschaft, beraten von einer Expertenkommission, versteht die Aufregung nicht: „Sollte es (…) zu Löscharbeiten an einem Gebäude mit einer Fotovoltaikanlage kommen, so kann die Feuerwehr nach ihr bekannten Sicherheitsvorschriften ganz normal löschen.“

Der Verband verweist unter anderem auf Handlungsempfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes, der Berufsgenossenschaften und der Berufsfeuerwehr München. Auf der Internetseite der Berufsfeuerwehr München erfährt man, dass die Brandbekämpfer grundsätzlich annehmen sollen, dass die Fotovoltaikanlage Strom führt. Sie sollen daher besonders vorsichtig vorgehen. Überflutete Bereiche sollten nicht betreten werden. Bei zu erwartenden Hochspannungen sollten die Einsatzkräfte einen Sicherheitsabstand von fünf bis zehn Metern einhalten.


Lösbares Problem
Carsten Tappert vom Institut der Feuerwehr meint: „Man kann das Problem lösen. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten: ein Keramikmodul, das, wenn man es thermisch belastet, auseinandergeht. Und es gibt einen Trennschalter, einen sogenannten Feuerwehrschalter, den man direkt neben der Haustür installieren kann. Man macht die Tür auf, drückt auf den Schalter, dann wird direkt oben auf dem Dach abgeschaltet. Das gibt es, aber es ist nicht zwingend vorgeschrieben.“

Der TÜV Rheinland prüft und zertifiziert Fotovoltaikmodule. Willi Vaaßen, Leiter des Bereichs Regenerative Energien, meint, dass es heute schon viele Einzellösungen für das Abschalten gebe. Wenn aber nachträglich in die Installation stark eingegriffen werde, sei so eine Sicherheitsnachrüstung vom Handwerk nicht billig zu haben. Zurzeit denkt man beim TÜV und den Herstellern über eine neue Norm zum Notfall-Abschalten nach.

Und noch eine Information ist wichtig für Hausbesitzer mit Solardach: Christian Lübke, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin, erklärt auf Anfrage von markt, dass in der Versicherungsbranche derzeit nicht über einen Prämienaufschlag für Häuser mit Fotovoltaikanlagen geredet wird - noch nicht …


Sendung Markt im WDR - Bericht vom 13. September 2010


Quelle: http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2010/0913/03_solaranlagen.jsp
Autor: Michael Lang
Stand: 13.09.2010



Handlungsempfehlungen für Photovoltaikanlagen (PDF)



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